Biosphärenreservat Ciénaga de Zapata

Nachhaltige Ressourcennutzung und Einkommensgenerierung

Auf der wundervollen Halbinsel Ciénaga de Zapata (Sumpf von Zapata) im Südwesten Kubas leben rund 9'000 BewohnerInnen. Dieses fragile Ökosystem mit seiner vielfältigen Flora und Fauna ist bedroht: Zum Überleben beuten die dort lebenden Menschen – mangels Alternativen – die natürlichen Ressourcen weit über ihre Regenerationsfähigkeit aus.

Zunzún möchte mit dem Projekt «Ciénaga de Zapata» erreichen, dass die BewohnerInnen, v.a. auch Jugendliche und alleinerziehende Mütter, einer unterhaltssichernden Arbeit nachgehen können, die gleichzeitig eine nachhaltige Ressourcennutzung fördert. Des Weiteren soll allen Beteiligten Handlungswissen zum Umweltschutz vermittelt werden.

Der folgende Dokumentarfilm, den das lokale Projekt-Team im Jahr 2016 produziert hat, gibt einen Einblick in das Projekt und zeigt auf, wie ganzheitlich die Bewohnerinnen und Bewohner der Ciénaga de Zapata profitieren und wie sehr sie sich für den langfristigen Erfolg einsetzen:

Die Details zum Projekt

Bedrohte Naturreichtümer

Kilometerlange, fast noch unberührte Sandstrände, eine opulente Unterwasserwelt mit bemerkenswerten Korallenriffen, eine reiche Flora und Fauna – das ist die Ciénaga de Zapata, das grösste Feuchtgebiet der Karibik. Es liegt auf der gleichnamigen Halbinsel in der Provinz Matanzas, im Südwesten Kubas, und erstreckt sich über 3'000 Quadratkilometer. Grasland, Mangroven- und immergrüne Küstenwälder wechseln sich mit Seegrasbänken, malerischen Meeres- und Sandbuchten ab. Mehr als 175 Vogelarten sind hier heimisch, ausserdem legen über 60 Zugvögelarten eine Rast auf ihren Flügen in dem Gebiet ein. Die reichhaltige Flora und Fauna zieht nicht nur Biologen in ihren Bann: Jährlich kommen mehr als 800’000 Touristen aus aller Welt auf der Suche nach paradiesischen Stränden und türkisblauem Meer.

Hinter dieser malerischen Kulisse, die einem Werbefilm für Karibikreisen entsprungen scheint, verbirgt sich jedoch ein fragiles Ökosystem, das in seinem Gleichgewicht bedroht ist. Daran hat auch die Ernennung zum UNESCO-Biosphärenreservat und die Deklaration als Nationalpark durch den kubanischen Staat nichts ändern können, wie verschiedene soziologische und umweltwissenschaftliche Studien der letzten zehn Jahre belegen. Sie wurden vom kubanischen Umweltministerium in Auftrag gegeben und zeigen die zentralen sozioökonomischen, kulturellen und ökologischen Probleme der Region auf.

Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen

Das Gebiet, das 1961 zum Schauplatz der sogenannten „Schweinebuchtinvasion“ der von den USA finanzierten Exilkubaner wurde, bewohnen heute etwas über 9'300 Einwohner. Die meisten der formell Beschäftigten sind für staatliche Institutionen tätig; v. a. in den Bereichen Forstwirtschaft, Fischerei und Tourismus, aber auch in nicht-produktiven Sektoren wie Verwaltung, Verteidigung, Soziale Sicherheit, im Bildungs- und Gesundheitswesen. Die Mehrheit der Cenagueros bestreitet ihren Lebensunterhalt jedoch im Bereich des informellen Sektors als Subsistenzbauer oder -unternehmer, wird daher von der offiziellen Statistik nicht erfasst und leidet unter unsicheren Einkommensperspektiven. Die wichtigsten wirtschaftlichen Betätigungen in der Ciénaga de Zapata sind daher auch heute noch Jagd und Fischerei, der Anbau von Nutzpflanzen, Tierzucht und Imkerei, (Kunst-) Handwerk und das Anbieten kleinerer Dienstleitungen im Tourismusbereich – in der Hauptsache Aktivitäten, die die natürlichen Ressourcen weit über ihre natürliche Regenerationsfähigkeit ausbeuten. Die Cenagueros verfügen dabei weder über ein ausreichendes Bewusstsein noch über die nötigen Ressourcen, um ihre Lebensweise mit einer nachhaltigen und umweltverträglichen Entwicklung in Einklang zu bringen.

Foto Projekt Ciénaga

Projekt: Nachhaltiger Wandel

Ganzheitlicher Projektansatz

Seit 2011 laufen Vorbereitung seitens Zunzún für ein Projekt auf der Halbinsel, welches den komplexen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen durch einen ganzheitlichen Ansatz (realisiert durch verschiedene Projektkomponenten) begegnet. Das Ziel ist es, die natürlichen Ressourcen zu bewahren und mit Hilfe partizipativer Methoden die vor Ort lebenden Menschen bei der Entwicklung nachhaltiger Nutzungsformen einzubeziehen und einen langfristigern Sinneswandel einzuleiten. Dafür arbeitet Zunzún mit der dem Umweltministerium unterstellten Fachstelle für ganzheitliche Entwicklung der Ciénaga de Zapata zusammen, die das Projekt vor Ort leitet. Die enge Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium stellt sicher, dass wichtige lokale Akteure hinter dem Vorhaben stehen. Das Projekt hat eine Laufzeit bis 2017, die verschiedenen Komponenten werden sukzessive umgesetzt.

Alternative Einkommensgenerierung

Umwelterziehung allein kann nicht genügen, wenn Menschen aus wirtschaftlicher Not natürliche Ressourcen vernichten – das Projekt wird daher konkrete und an der Lebenswirklichkeit der Betroffenen orientierte Alternativen anbieten. Denn nur, wenn sie ihren Bedürfnissen angepasst sind, werden sie (auch langfristig) angenommen. Eine lokal angepasste Entwicklungsstrategie muss dem im Landesdurchschnitt niedrigen Qualifizierungsniveau der Arbeitskräfte in der Region und ihrer traditionell kleinbäuerlichen Lebensweise Rechnung tragen (selbst bei den offiziell Beschäftigten handelt es sich mehrheitlich um geringfügig qualifizierte Arbeitskräfte, die mehrheitlich in produktiven Bereichen tätig sind). Daher liegt der Schwerpunkt auf der Förderung alternativer Einkommensquellen wie Gemüsegärten zur Selbstversorgung, der Blumen- und Tierzucht für den Verkauf und dem Aufbau handwerklich-künstlerischer Werkstätten. So sollen (kunst-) handwerkliche Formen – wie die Herstellung von Keramiken oder Schmuck aus natürlichen Materialien – neu belebt werden, die in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich an Bedeutung verloren haben. Verschiedene Seminare zu den Themen Wirtschaft und Finanzen, Vermarktung und Verkauf sowie ökologisch verträglicher Nutzung natürlicher Ressourcen sollen sie in ihrer gemeinschaftlichen Arbeit unterstützen. Ein spezieller Fokus liegt dabei auf Jugendlichen und alleinerziehenden Müttern, als in besonderem Masse vulnerablen Gruppen. Sie sollen ihr Potential entdecken, ihre Fähigkeiten ausbauen und als soziale Akteure befähigt werden.

(Umwelt-) Bildung und Begegnung

Ausserdem ist der Aufbau mehrerer Bildungs- und Begegnungszentren vorgesehen. Kindern und Jugendlichen sollen hier pädagogisch wertvolle Freizeitmöglichkeiten geboten, Erwachsene zu Veranstaltungen im Bereich Umweltbildung eingeladen werden. Denn auch wenn die in der Region vorhandenen Kulturangebote, Sport- und Freizeitmöglichkeiten in den letzten Jahren zugenommen haben, so gibt es doch noch immer zu wenige Lokalitäten und das Equipment fehlt vielerorts.

Foto Projekt Ciénaga

Projektwirkung

Gerade bei einem Pilotprojekt wie diesem, das verschiedene Akteure mit einbezieht und für eine längere Projektlaufzeit vorgesehen ist, ist es wichtig, die Effekte der unternommenen Anstrengungen zu bestimmen: Wie wurden die einzelnen Projektkomponenten durch die Bevölkerung angenommen? Was hat sich als erfolgreich erwiesen, in welchen Bereichen ist eine Überarbeitung angeraten? Was könnte oder sollte bei der Ausweitung des Projekts auf weitere Gemeinden verbessert werden, was hat sich bewährt? Zunzún leitet daher den lokalen Partner, die Fachstelle für ganzheitliche Entwicklung, zum Aufbau eines Monitoring- und Evaluationssystem an, mit dem sich der Projekterfolg erfassen lässt. Dafür wurden verschiedene Indikatoren (Kennzahlen) bestimmt, wie beispielsweise die Anzahl erfolgreicher Kleinunternehmer oder Bewusstseinsänderungen in Bezug auf die Nutzung der natürlichen Ressourcen. Untersucht werden soll aber auch, inwieweit die Selbstverwaltung der Cenagueros in den Pilotgemeinden zugenommen hat.

Zielgruppen

Bewohnerinnen und Bewohner der Ciénaga de Zapata; formelle und informelle Führungspersönlichkeiten.

Partnerorganisation

Órgano de Atención al Desarrollo Integral de la Ciénaga de Zapata – die dem Umweltministerium (Ministerio de Ciencia, Tecnología y Medio Ambiente CITMA) unterstellte Fachstelle für ganzheitliche Entwicklung der Ciénaga de Zapata.

Projektlaufzeit

2014 bis 2017

Interview

Interview mit Elena Martínez

Artikel über das Projekt

ONG suiza colabora con proyecto de importante humedal cubano, erschienen am 23. Mai 2016 auf der Internetseite von "Radio Habana"

El Patio de Tica, una oportunidad para las orquídeas del Humedal, erschienen am 13. Mai 2016 in der Zeitung "Girón"

La tradición del huerto se debilita en los campos cubanos / The Family Garden Going Out of Style in Cuban Countryside, erschienen am 27. April / 3. Mai 2016 im Internetportal von IPS (Inter Press Service - News Agency)

Orquídeas del humedal, proyecto que florece en Ciénaga de Zapata, erschienen am 4. April 2016 in der Zeitung "Girón"

Ciénaga de Zapata apuesta por el desarrollo local, erschienen am 30. März 2016 in der Zeitung "Girón"

Economía limpia al rescate del mayor humedal caribeño / Green-Friendly Enterprise Helps Save Biggest Caribbean Wetlands, erschienen am 25./ 28. November 2013 im Internetportal von IPS (Inter Press Service - News Agency)

Update Juli 2014:
Erfolgreicher Projekt-Start mit Planungsworkshop vor Ort

Vom 16. bis 18. Juli 2014 führte unser Projektleiter, Niklaus Eggenberger, vor Ort in der Projektregion einen Workshop durch. Zum Einstieg stellten die Teilnehmenden die Projektgemeinden in selbst gezeichneten Karten (so genannten Community Mappings) dar, die alle für das Projekt wichtigen Informationen enthalten (wie etwa öffentliche Einrichtungen oder die wirtschaftliche Nutzung der Flächen). Diese Karten dienten als Ausgangsbasis für eine Analyse der Probleme, mit denen sich die Region konfrontiert sieht. Grafisch wurden diese in einem «Problembaum» festgehalten: Sein Stamm steht für das ursächliche Problem, die Wurzeln symbolisieren die verantwortlichen Strukturen. Die Baumkrone schliesslich bildet alle Auswirkungen des Hauptproblems ab. Die visuelle Darstellung erleichterte das gemeinsame Verständnis und eine Verständigung über die Ziele des Projekts. Auf Grundlage der Problemanalyse und der konkreten Zielsetzung wurden schliesslich in einem dritten Schritt gemeinsam die konkreten Aktivitäten festgelegt. Ausserdem wurde die Frage erörtert, welche Gruppen oder Individuen wichtig für ein Gelingen des Projekts sind: Wer sollte unbedingt mit einbezogen werden? Wessen Unterstützung braucht man zwingend?

Teilnehmende am Workshop

Teilnehmende erarbeiten gemeinsam die Grundlagen für die erfolgreiche Projektdurchführung.

Eine Gruppe aus rund 20 Personen – das Projektteam des Ministeriums für Wissenschaft, Technologie und Umwelt CITMA, potentiell Begünstigte (Personen aus den verschiedenen Gemeinden) und Vertreter der Kommunalregierung – engagierten sich motiviert vor Ort.

Das Projekt «Ciénaga de Zapata» ist das erste internationale Projekt im Bereich Lokalentwicklung und Umweltschutz für das örtliche Projektteam. Dieser Planungsworkshop war daher sehr wertvoll zur Planung und Aufgleisung des Projekts.

Unter der kundigen Führung unseres Projektleiters, Niklaus Eggenberger, lernten alle Teilnehmenden partizipative Methoden inklusive der Bedarfserfassung und der Lösungssuche kennen.

Niklaus Eggenberger erklärt die Methoden

Projektleiter Niklaus Eggenberger erklärt die partizipativen Methoden für das Projekt «Ciénaga de Zapata».

Die Regierungsvertreter fragten an, ob unser Projektleiter einen solchen Workshop für die gesamte Lokalregierung geben könne. Dieser Wunsch wird bei einem nächsten Aufenthalt gerne erfüllt.

Ergebnisse aus dem Workshop

Die erarbeiteten Ergebnisse beeindrucken.

Nach dem erfolgreichen Planungsworkshop steht das Projekt «Ciénaga de Zapata» nun auf einer sehr guten, soliden Basis mit einem gemeinsamen Verständnis für unser Projekt – es kann also losgehen!