Centro de Investigaciones Psicológicas y Sociológicas

Das Centro de Investigaciones Psicológicas y Sociológicas, kurz CIPS, wurde 1983 gegründet und ist eines der Forschungsinstitute des Ministeriums für Wissenschaft, Technologie und Umwelt in Kuba. Das CIPS, das in den letzten 20 Jahren viele Auszeichnungen für seine Forschungsaktivitäten und die damit verbundenen gesellschaftlichen Einflüsse erhalten hat, konzentriert sich hauptsächlich auf das Erarbeiten von Diagnosen, Evaluationen und die Erforschung von gesellschaftlichen Beziehungen. Im Vordergrund der Forschungsaktivitäten stehen dabei unter anderem Generationenbeziehungen mit Schwerpunkt Jugend sowie Themen rund um die Familie und das Leben und Arbeiten in einer Gemeinde.

Als Projektpartner von Zunzún hat das CIPS während 3 Jahren das Sportprojekt im Stadtviertel "La Timba" in Havanna durchgeführt – und begleitet nun unter der Supervision von Zunzún die Ausweitung des Projekts auf andere Quartiere resp. Provinzen Kubas.

Webseite des CIPS: www.cips.cu

Interview mit Bárbara Zas Ros

Portrait Bárbara Zas RosBárbara Zas Ros, die Projektleiterin des CIPS, erzählte uns während der letzten Projektreise mehr über die Herausforderungen, Ziele und Erfolge des Sportprojekts.

Bárbara, Sie sind Projektleiterin der ersten Stunde. Erinnern Sie sich noch daran, wann und wie Ihr erster Kontakt mit Zunzún entstanden ist?

Ja. Der erste Kontakt entstand 2003/2004, jedenfalls einige Jahre vor dem tatsächlichen Projektstart im Jahre 2006. Die intensive Zusammenarbeit begann 2004/2005. Vom ersten Tag an ist unsere Zusammenarbeit eine ausserordentlich gute. Der Vorschlag von Niklaus Eggenberger, gemeinsam an einem neuen Ansatz zur Lokalentwicklung zu arbeiten, war ein grosser Gewinn, sowohl in technischer als auch professioneller Hinsicht.

Seit Anbeginn steht uns Zunzún jederzeit mit Rat und Tat zur Seite, nimmt sich unserer Probleme an, gibt Weiterbildungskurse. Dies ist wohl eine erwähnenswerte Besonderheit. Da fällt mir auch der Workshop in Monitoring und Evaluation wieder ein, den Zunzún im Januar letzten Jahres gegeben hat, um unsere Projekte ergebnisreicher zu machen. Was kann man sich von einem Partner mehr wünschen?

Welche Art von Unterstützung hat Ihnen Zunzún denn im Speziellen geboten?

Die grösste Unterstützung war vermutlich die Wertschätzung unserer Arbeit. Hinzu kommt die tatkräftige finanzielle Unterstützung, die uns Zunzún bereits seit Jahren gewährt. Ausserdem liefert Zunzún uns wertvolles Knowhow, berät uns, wenn wir nicht mehr weiter wissen, und gibt Impulse, die unsere Ergebnisse oftmals stark aufwerten.

Sie sind ausgebildete Psychologin. Warum ist Ihnen das Sportprojekt ein wichtiges Anliegen? Was waren die Triebkräfte für dieses intensive Engagement, das nun schon sehr lange währt?

Initiiert haben wir das Projekt, weil wir ein Bedürfnis decken wollten. Als ich anfing, mich mit der Timba zu beschäftigen, war das Bedürfnis der Bevölkerung, mehr Freizeitangebote zu haben, bereits sehr gross. LehrerInnen, Eltern, aber auch die Kinder selbst wünschten ein regelmässiges Freizeitangebot. Je enger der Kontakt zwischen uns und der Gemeinschaft wurde, umso mehr verschob sich der Fokus unserer Aktivitäten in Richtung psychosozialer Unterstützung. Mit der sportlichen Betätigung wollten wir den Kindern, aber auch den Erwachsenen Möglichkeiten und Wege bieten, mit bestimmten Herausforderungen anders umgehen zu lernen, zufriedener und glücklicher zu sein.

Mein Beweggrund war das Wohl der Menschen. Ich wollte etwas Gutes tun, etwas bewirken. Und die harte Arbeit hat sich gelohnt. Nach 5 Jahren Projektarbeit, in denen es auch manchmal Tiefen gab, können wir auch heute noch ruhigen Gewissens sagen, dass die Menschen aus der Timba weder das Interesse am Projekt noch das Vertrauen in uns verloren haben. Sie rufen uns an, fragen uns um Rat und laden uns zu sich ein.

Als ich vor kurzem zufällig in der Timba vorbei kam, konnte ich beobachten, wie ein Jugendlicher, der früher selbst an unserem Sportprojekt teilgenommen hat, mit kleinen Jungs Ball gespielt hat. Es war derselbe Ball, den wir damals in die Gemeinschaft mitgebracht hatten. Er spielte immer noch damit. Nur eins hatte sich geändert: Der Junge war mittlerweile selbst zum Trainer geworden. Es erfüllt mich mit Stolz, wenn dies das Ergebnis unserer Arbeit ist.

Sie haben eben Tiefen angesprochen. Welche waren die bisher grössten Herausforderungen?

Oh, da gab es einige. Die meisten hatten aber mit der Organisation von Materiellem zu tun. Es war zum Beispiel immer schwierig, die Projekteinkäufe zu tätigen. Meist konnten wir nicht genug von jenen Dingen kaufen, die wir für das Projekt eingeplant hatten, weil sie nirgendwo verfügbar waren.

Dazu kam der bürokratische Hürdenlauf um die Genehmigungen, die wir für das Fortsetzen des Projekts benötigten. Wir versuchten ständig, den einfachsten Weg zu finden, um unser Projekt weiterlaufen lassen zu können. Aber lange dauerte es trotzdem immer. Umso grösser dann die Freude, wenn am Ende die unterzeichneten Genehmigungen ins Haus flatterten.

Was würden Sie als wichtigstes Ergebnis Ihrer Arbeit bezeichnen?

Das wichtigste Ergebnis ist für mich, in der Gemeinschaft eine Gruppe von Personen gefunden zu haben, die unseren sportpsychologischen Ansatz weiterführt und Sport nicht nur des Sportes wegen betreibt, sondern Sport wie wir als Mittel zum Zweck benutzen will. Und weil es diese Leute gibt, wird es auch das Projekt weiterhin geben. Auch wenn wir längst nicht mehr dort sind. Das Wissen, das sie sich angeeignet haben, kann ihnen niemand mehr nehmen.

Was war denn das überraschendste Ergebnis?

Die Auswirkungen des Projekts auf die Familien. Das war etwas, das wir nicht erwartet hätten. Wer hätte gedacht, dass sporttreibende Kinder so starke Veränderungen in ihrem familiären Umfeld bewirken könnten? Wir gingen davon aus, dass wir, die TrainerInnen und Trainer, die Vermittler von Botschaften wären. Wir dachten, dass das Weitergeben von Informationen unsere Aufgabe sei. Mit zunehmender Projektdauer liess sich aber beobachten, dass die Kinder selbst, also ohne unser Zutun, zu Überbringern von Informationen wurden. Sie gingen heim und erzählten ihren Eltern, wie schlecht gewisse Verhaltensweisen sein. Sie verlangten zum Beispiel, dass zuhause nicht mehr geraucht werde. Es gab Eltern, die deswegen zu rauchen aufhörten. Oder sie hatten bei uns gelernt, welche Vorteile es bringen kann, wenn alle Kinder und Jugendlichen Zeit miteinander verbringen und zusammen spielen. Später gingen sie nach Hause und versuchten, die Ideen auch dort umzusetzen. Sie fingen an, regelmässig mit älteren Geschwistern und Nachbarkindern zu spielen.

Konnten bislang auch andere Veränderungen beobachtet werden, die nicht unmittelbar mit den Kindern selbst zu tun haben?

Ja, auch bei Erwachsenen wurden Veränderungen sichtbar. Als Beispiel nenne ich Ihnen eine erwachsene Frau, die von Beruf Reinigungskraft war. Ihr hat das Projekt so gut gefallen, dass sie selbst mitmachen wollte. Nachdem sie einige Zeit mitgewirkt hatte, begann sie, überzeugt von unserer Arbeit, zu studieren. Heute ist sie diplomierte Sportlehrerin.

Aber auch bei Kindern aus zerrütteten Familien bemerkten wir Veränderungen. Manchmal wollten die Eltern nicht, dass ihre Kinder am Projekt teilnahmen. Meist betraf dies Kinder, die man generell als „sehr problematisch“ einstufen würde: Probleme in der Schule, ständig in Streitereien verwickelt. Nahmen die Kinder erst einmal an den Sportaktivitäten teil, haben die TrainerInnen intensiv versucht, sie von einer langfristigen Teilnahme zu überzeugen. Oft gelang es auch. Die Eltern liessen sich von der Freude der Kinder überzeugen. Eines dieser Kinder hat sich später sogar in der Gruppe der Projektleitung engagiert.

Die Mutter eines anderen Kindes, Dayron, war früher die ganze Zeit Zuhause. Heute arbeitet sie in der Schule mit und bewirbt das Projekt in der Gemeinschaft. Dies sind allzumal wunderbare Erfolge, die auch bei der Konzeption von anderen Projekten berücksichtigt werden sollten.